Weltmeister auf dem Tanzparkett
Bergisch Gladbacher Holger Leyer siegte bei Wettkampf in Norwegen — Enormer Teamgeist

Von unserem Redakteur Andreas Halbach

Bergisch Gladbach — Nein, eine Erhöhung der Kursgebühren sei bei der Tanzschule Leyer in Bergisch Gladbach jetzt nicht fällig. Trotzdem ist der „Marktwert" des Juniorchefs Holger Leyer über Nacht enorm gestiegen. Mit dem Titel „Weltmeister im Formationstanz" kehrte der 23jährige Bergisch Gladbacher vor wenigen Tagen aus dem norwegischen Stavanger heim. Im 16-köpfigen Team des Tanzsportclubs Rot-Weiß Düsseldorf stand der junge Tanzschulbesitzer auf dem Siegertreppchen, womit die Experten nicht gerechnet hätten. Sensationell war bereits der Sieg bei der Deutsche Meisterschaft im Oktober in Bremen, als die Düsseldorfer die Favoriten der TSG Bremerhaven sowie den Vorjahresmeister Schwarz-Gelb Aachen auf die Plätze verwiesen hatte. Und jetzt gehört Holger Leyer sogar zur wettbesten Formation in den lateinamerikanischen Tänzen.
  Mit solchen Ehren kann die Amateurmannschaft jetzt ihr Honorar von etwa 3500 auf nunmehr 5000 pro Auftritt erhöhen. „Als Weltmeister kann man sich die Einladungen aussuchen", meint der braungebrannte junge Mann im James-Dean-Look, der bescheiden hinzufügt: „Das hört sich vielleicht arrogant an, aber jetzt interessieren sich auch Sponsoren für uns."
  Bisher sei TC Düsseldorf stets der „leidige Dritte" gewesen, weil bei internationalen Meisterschaften nur die beiden besten eines Landes starten dürfen. Holger Leyer: „Es ist schon ein tolles Gefühl, dass sich diese harte Arbeit jetzt ausgezahlt hat". Der Weltmeistertitel sei das Sprungbrett auf die wichtigsten

Tanzparkette in aller Welt. Im nächsten Jahr geht der Bergisch Gladbacher mit seiner Mannschaft auf Tournee durch die USA und China. Mit Showauftritten bei großen Galas, Tanzbällen und in der Vergangenheit sogar auf Karnevalsbühnen verdienen die acht Tanzpaare ihr Jahresbudget von mehreren 100 000 Mark. Davon müssen die beiden Trainer, zwei Physiotherapeuten, Friseure, Maskenbildner und Schneider entlohnt werden.
  Es sei vor allem der „enorme Teamgeist", der zum jüngsten Erfolg beigetragen habe, meint der frischgebackene Tanzweltmeister. Die eigentlichen Väter des Erfolges seien die beiden Trainer, der mehrmalige Tanzweltmeister Oliver Wessel-Therhorn und Dr. Michael Keßeler, ein Zahnarzt aus Köln-Porz. Physisch und psychisch seien die neuen ShootingStars des Tanzsportes für die WM in Norwegen optimal vorbereitet worden.

Vier-Stunden-Training

Täglich trainieren sie bis zu vier Stunden, bolzen im Circuit-Training Kondition, an der Kraftmaschine stählen die jungen Frauen ihre Wadenmuskulatur für die Handpirouette,. stundenlange Fehlerkorrektur des choreographischen Ausdrucks per Video. „Wir wollten nur noch eines", so Holger Leyer, „auf die Fläche und das, was wir monatelang trainiert hatten, voll rauslassen." Die Order des Trainers war unzweideutig: „Geil" mussten die Tänzerinnen wirken, auch die Männer sollten die Wertungsrichter und etwa 1000 Zuschauer mit ihrem Temperament regelrecht „anmachen". Das Erfolgsrezept stach, die Latein-Formation aus Oslo musste sich trotz Heimvorteils mit dem zweiten

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Hinter den glanzvollen Auftritten steckt harte Arbeit: Holger Leyer mit Partnerin im Formationstanz.

und Bremerhaven mit dem dritten Rang zufrieden geben.Tanzen als Profession war Holger Leyer bereits an der Wiege gesungen. Schon der Großvater war Tanzlehrer in Köln, Vater Günter gründete Ende der 50er Jahre eine Tanzschule in Bergisch Gladbach. Gemeinsam mit seinem Bruder Volkmar, ehemaliger Deutscher B-Meister im Rock'n'Roll, übernahm Holger Leyer nach dem Abitur das Unternehmen der Eltern

Wöchentlich hilft der Tanzlehrer mit dreijähriger Ausbildung etwa 1400 Tanzschülern vom Pennäler bis zur Seniorin auf die Sprünge.
  Auf einem Urlaubsflug nach Florida hatte Holger Leyer vor zwei Jahren den Düsseldorfer Coach Wessel-Therhorn zufällig kennen gelernt - der Aufstieg zum Weltmeister begann.


© Kölner Stadt Anzeiger


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