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ug Bergisch Gladbach/Bremen. „Es ist wie in Trance — sechs Minuten lang." Zu den 16 Tänzern und Tänzerinnen der Lateinformation von TD Düsseldorf Rot Weiß, die in Bremen im Finale um den Weltmeistertitel kämpften, gehörte auch der Gladbacher Holger Leyer. „Es ist ein Knistern zwischen den 16 Leuten." Als Titelverteidiger gingen die Düsseldorfer am Samstag mit „Israelischer Folklore" in schwarzroten Kostümen aufs Parkett. Sie hatten in der letzten Saison mit diesem Programm sämtliche Titel — vom Bundesliga- bis zum WM-Sieg — abgesahnt, was zuvor noch keiner Formation gelungen war. Würde der härteste Konkurrent, die Formation aus Bremerhaven, auch dieses Mal zu schlagen sein? „Es dauert so lange, bis die Täfelchen nach oben gehen", erinnert sich Holger Leyer, Spross der Gladbacher Tanzschulfamilie und Student der Wirtschaftswissenschaften, an den spannenden Moment, als die sieben Wertungsrichter ihre Platz-Karten hoben. „Vier haben sich für Bremerhaven entschieden, drei für uns. Schade", fasst er das Ergebnis knapp zusammen. Damit mussten sich die Düsseldorfer nach dem harten Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem zweiten Platz begnügen. Newcomer Litauen landete überraschend auf Platz drei. Enttäuschung und Leere zeigten die Gesichter der Düsseldorfer Formation. Trotzdem ist Leyer mit der Teamleistung der Mannschaft sehr zufrieden. „Es war sehr exakt, exakter als bei den Meisterschaften zuvor." Im Vorfeld hatten die Düsseldorfer Probleme. Ihr neues Indianer-Programm in Lederkostümen hatte ihnen bei der Deutschen Meisterschaft „nur" den zweiten Platz gebracht und war zerrissen worden. So beschloss der Trainer fünf Wochen vor der WM, das Israel-Programm wiederzubeleben.
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„Das hatten wir gar nicht mehr trainiert", erzählt Leyer. Entsprechend hart musste täglich gearbeitet werden. Ein zusätzlicher Schlag: Tänzer Nummer 1 wurde kurzfristig von der Konkurrenz abgeworben. Der Kampfgeist war da", erinnert sich Leyer an den Moment, als die Formation zu israelischer Folklore die Halle betrat. Trainer und Therapeuten hatten sie punktgenau vorbereitet, Männer und Frauen waren bis kurz vor dem Auftritt getrennt eingestimmt worden. Und nach dem rasant getanzten Finale? „Da bricht alles zusammen, die Hälfte heult, weil sie nicht mehr kann", schildert Leyer die aufgewühlte Stimmung in der Kabine, während draußen die übrigen Formationen ihr Programm präsentierten. Pech für die Düsseldorfer: Sie hatten beim Losen die Startnummer eins gezogen. Zum einen fiebert dann die „Halle" noch nicht, zum anderen muss man auf die Endwertung nach dem letzten Tanz scheinbar endlos warten. „Eine halbe Stunde. Das war hart!" Nach dem Verlust des WM-Titels blieb bei den Düsseldorfern nicht mal Enttäuschung. „Es ist eine absolute Leere", sagt Leyer. Aber die 200 Fans, die nach der Weltmeisterschaft in Bremen den Düsseldorfern zujubelten, rissen vieles wieder raus. „Da stehen einem schon die Tränen in den Augen." Und selbstverständlich wurde dann auch der zweite WM-Platz gebührend gefeiert. Erst zur nächsten Deutschen Meisterschaft präsentieren die Düsseldorfer ein neues Programm. Bis dahin tanzen sie weiter „Israel" mit 60 Meter goldenen Kordeln und 70.000 Straßsteinen — das nächste Mal am Sonntag in Aachen beim ersten Bundesligaturnier. Danach gibt Holger Leyer mit seiner Show-Partnerin noch ein Gastspiel in seiner Tanzschule in Bergisch Gladbach beim Weihnachtsball.
© Bergische Landeszeitung 1994
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