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Von Ute Glaser
ug Bergisch Gladbach. Die ersten Takte der israelisch klingenden Musik ertönen, der Rhythmus fährt in die Glieder, Sinne und Körper sind voll konzentriert. „Es war ein enormer psychischer Druck", erinnert sich Tänzer Holger Leyer an die Spannung bei der Europameisterschaft in Dortmund. Doch die lateinamerikanische Formation des TD Rot-Weiß Düsseldorf, bei der der Bergisch Gladbacher seit 1988 tanzt, meisterte das internationale Turnier mit Bravour: Mit fünf Einsen von sieben Wertungsrichtern wurden die Düsseldorfer Tänzer ganz eindeutig Europameister '94. Leyer ist zu Recht stolz. „Es ist noch nie zuvor einer Formation - weder im lateinamerikanischen noch im Standard-Programm - gelungen, alle drei Titel und die Bundesliga zu gewinnen", spielt er auf die Super-Saison an. Begonnen hatte der tänzerische Siegeszug im Oktober 93 in Bremen, als die Düsseldorfer Formation als Newcomer überraschend Deutscher Meister wurde. Im Dezember gewann sie die Weltmeisterschaft in Norwegen und schließlich die deutsche Bundesliga. Waren die 16 Tänzer und Täterinnen die ersten Turniere als Außenseiter ganz locker angegangen, so lastete bei der Europameisterschaft am vergangenen Wochenende
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plötzlich ein ungeheurer Erwartungsdruck auf ihnen. Nach den ersten beiden Runden habe dann auch die TSG Bremerhaven „ganz klar vorne" gelegen, erzählt Holger Leyer. Doch durch autogenes Training, psychologische Betreuung und ein spezielles Aufwärmprogramm seien Konzentration, innere Ruhe und Power zum Finale, an dem noch 7 der 19 gestarteten Formationen teilnahmen, gestiegen. „Eine Minute vor unserer Finalrunde haben wir die Frauen erst wiedergesehen", erinnert sich der 23jährige. „Und da haben wir uns gesagt: Mit den Frauen werden wir gewinnen." So kam's. Im Finale konnten die Düsseldorfer das Ergebnis herumreißen, die Bremerhavener auf den zweiten Platz verweisen und das Turnier für sich entscheiden. Nicht nur die Fans, darunter 150 aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis, jubelten in der Dortmunder Westfalenhalle. Die publikumswirksame Choreographie der Düsseldorfer Formation und ihre guten tänzerischen Einzelleistungen hatten die Zuschauer gepackt. Zur speziell arrangierten Musik aus israelischer Nationalhymne und israelischen Folksongs hatten die Paare ein feuriges Sechs-Minuten-Programm geboten, das nicht zuletzt auch durch die rotgoldenen raffinierten Gewänder der Tänzerinnen bestach. „Geil", so die Order des Trainers, mussten sie wirken, um Wertungsrichter und Publikum anzumachen. Außerdem war enormer Teamgeist gefordert.
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Für den Erfolg hat Holger Leyer, der 1985 mit dem Turniertanz begann, hart gearbeitet. Täglich fährt er nach Düsseldorf, um bis zu vier Stunden zu trainieren, am Wochenende bis zu acht. Dazu kommen Showauftritte, um das teure Hobby zu finanzieren. Mehrere 100 000 Mark verschlingt die Formation im Jahr, Holger Leyer ist der einzige, der einen kommerziellen Gewinn davon hat: Mit Bruder Volkmar, ehemaliger Rock'n'Roll Weltmeister der B-Klasse, führt er die Gladbacher Tanzschule, die seine Eltern in den 50er Jahren gründeten. Rund 1400 Tanzschülern hilft er dort auf die Sprünge. Als Holger Leyer mit der Formation um 24 Uhr auf dem Siegertreppchen stand, war das der Abschluss einer ungewöhnlich erfolgreichen Saison. „Wir könnten sagen, wir haben alles geschafft, und könnten jetzt aufhören." Aber natürlich wird bereits an die nächste Herausforderung gedacht: die Deutsche Meisterschaft im Herbst. In fünf Wochen beginnt das Training für das neue Programm, das „wieder etwas Außergewöhnliches" laut Leyer sein soll. Er hat sich bis dahin gestern in die Türkei verabschiedet. Live tritt die Formation am Samstag, 6. August, beim Sommerball der Tanzschule Leyer auf. Da verwandelt sich durch Maskenbildnerkunst der blonde Leyer in einen schwarzhaarigen Lateinamerikaner.
© Bergische Landeszeitung 1994
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