Wir werden auch das nächste Turnier gewinnen

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Tanzformation Standard Latein (TSL) Bergisch Gladbach auf Erfolgskurs 

Das Maskottchen der Lateinformation TSL Bergisch Gladbach hängt am Galgen. "Einmal haben wir unser Maskottchen vergessen - und prompt unser erstes Turnier gewonnen", erzählt Holger Leyer, Trainer der Formation. Jetzt baumelt der namenlose Pinguin mit einer Schnur um den Hals im Eingangsbereich der Tanzschule Leyer.

Der Turniersieg Ende April in Krefeld war für den TSL ein großer Erfolg in seiner ersten Saison im Tanzsport. Als Holger Leyer die Formation vor zweieinhalb Jahren gründete, war an solche Erfolge noch gar nicht zu denken: "Eigentlich haben wir nur aus Spaß angefangen." Aber der ehemals selbst aktive Formationstänzer erkannte das Potential seiner Gruppe. Mittlerweile trainiert er zusammen mit Natalie Jonscher dreimal wöchentlich die Formation, und der Aufstieg in die nächste Liga ist so gut wie sicher. Der TSL belegt hinter dem Team aus Velbert den zweiten Platz der Rangliste. 

 

Ein solcher Erfolg in der ersten Saison ist ungewöhnlich im Tanzsport, stärkt aber eher das Selbstbewusstsein der Formation, als dass es ihr Angst macht: "Unser Ziel ist es, uns auch in der nächsten Liga zu etablieren." Ein "mutiges Ziel", wie auch Holger Leyer zugeben muss. Die Realisierung dieser Pläne gestaltet sich für den TSL nicht immer ganz einfach. So bieten die Tanzschulräume nicht genügend Platz zum Trainieren, aber die Ausweichmöglichkeiten sind begrenzt. Die Stadt stellt der Formation keine Hallen zur Verfügung, da der TSL noch kein ganzes Jahr als eingetragener Verein fungiert. An den Wochenenden kann die Gruppe aber in der Sporthalle des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums trainieren, und hin und wieder erklärt sich auch das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium bereit, seine Halle zur Verfügung zu stellen. Ebenfalls nicht einfach ist die Finanzierung des teuren Tanzsportgeschehens. Viel Geld steckt in den Kostümen und den großen Mengen an Make-up, die für jeden Auftritt verbraucht werden. "Wir sind auf Spenden und die Mitgliedsbeiträge angewiesen", erklärt Holger Leyer. Sechs Minuten bewegen sich acht Paare während der Darbietung über das Parkett. Fünf verschiedene lateinamerikanische Tänze werden dabei gezeigt. Für jeden dieser sechsminütigen Auftritte benötigt es mehrere Stunden Vorbereitungszeit, um die 16 Tänzer und Tänzerinnen zu stylen. Zwei Maskenbildner und ein Friseur sorgen für ein einheitliches Erscheinungsbild und schaffen aus den 16- bis 23jährigen Tänzern wahre Kunstwerke aus Schminke, Bräunungsstift und Sprühfarbe. Bewertet wird dieser Aufwand allerdings nicht. Kostüme und Make-up dürfen nicht mit in die Benotung einfließen, bewertet wird nur wir werden auch das nächste Turnier gewinnender Tanz. Der Rest ist Show, welche den Tanzsport aber gerade so attraktiv macht.

"Zu jedem Turnier be-gleitet uns ein riesiger Fan-Bus. Meistens Kids aus den unteren Tanzkursen, die die Formation bewundern."

Um den Nachwuchs muss sich Holger Leyer keine Sorgen machen. Für die nächste Saison ist ein B- Team geplant, aus dem dann die entsprechenden Nachfolger stammen werden. Leyer legt seht viel Wert darauf, dass die Tänzer seiner Formation alle in seiner Tanzschule begonnen haben: "So haben sie alle den gleichen Tanzstil erlernt, ein großer Vorteil um die 16 Tänzer in Einklang zu bringen. Dazu gehört aber auch diszipliniertes und zeitintensives Training. Kurz vor Turnieren wird manchmal täglich trainiert, da bleibt neben Schule wenig Zeit für andere Aktivitäten. "Freunde haben die Tänzer trotzdem", betont Holger Leyer, "nämlich die anderen Tänzer der Formation".

Wer den TSL Bergisch Gladbach von der Tanzschule Leyer einmal live erleben will, hat dazu die Gelegenheit am 13. Juni beim Aufstiegsturnier in Erkelenz.

© franzz, Juni-Ausgabe 1999

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"Zu jedem Turnier be-gleitet uns ein riesiger Fan-Bus. Meistens Kids aus den unteren Tanzkursen, die die Formation bewundern."
"Zu jedem Turnier be-gleitet uns ein riesiger Fan-Bus. Meistens Kids aus den unteren Tanzkursen, die die Formation bewundern."