Tanzerlebnis mit Kai Pflaume

Daniela Fobbe-Klemm - KStA |

Ute Auweiler ist glücklich: „Unsere Kinder können in Bergisch Gladbach hingehen, wo sie wollen, sie sind überall willkommen.“ 

Bergisch Gladbach

Ute Auweiler ist glücklich: „Unsere Kinder können in Bergisch Gladbach hingehen, wo sie wollen, sie sind überall willkommen.“ Ihr Sohn Tom (24) kam mit dem Down-Syndrom zur Welt. „Wenn er nicht in der Werkstatt arbeitet, ist er ständig unterwegs, zum Tanzkurs, kellnert im Café Leichtsinn, ich sehe ihn manchmal erst abends.“ Sie freut sich, wie selbstständig ihr Zweitältester leben kann.

So richtig bewusst geworden ist das der Familie, zu der noch drei nicht behinderte Jugendliche gehören, als Tom sich als Fremdenführer für den Fernsehmoderator Kai Pflaume betätigte. Pflaume drehte in Bergisch Gladbach eine Folge seiner Sendereihe mit dem Titel „Zeig mir deine Welt“, die den Alltag von Menschen mit Behinderungen zeigt. Mittendrin Tom Auweiler und viele seiner Freunde, die er in seiner Freizeit trifft. „Inklusion wird hier einfach gelebt, ich bin dankbar für die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten, die es in der Stadt für Menschen mit Behinderung gibt“, sagt Ute Auweiler.

Das Café Leichtsinn ist ein Angebot der katholischen Jugendwerke Rhein-Berg. Dort können sich Jugendliche mit und ohne Behinderungen treffen, Kicker oder Billard spielen. Tom kellnert dort als Ehrenamtler an den Wochenenden und nutzt ein Sportangebot für junge Menschen mit Behinderungen bei der Turnerschaft. Genauso gern gehen die Jugendlichen in die Tanzschule Leyer, dort bietet die Sozialpädagogin und Tanztrainerin Sonja Schumacher seit 13 Jahren Tanzkurse für Menschen mit Behinderungen an.

„Entstanden ist das Ganze über ein Programm mit der Friedrich-Fröbel-Schule, an der ich damals arbeitete“, erinnert sich Schumacher. 21 Kurs-Teilnehmer zeigen derweil vor dem Spiegel, das sie an John Travoltas Saturday-Night-Fever-Tanzstil viel Spaß haben. Zwischen 15 und 30 Jahren sind die Tänzer, eine von ihnen ist Sheherezade, deren Mutter Angelika Saadi das Angebot der Tanzschule über das Internet gefunden hat. Sie ist froh, für ihre 19-jährige Tochter eine Alternative zum bisherigen Tanztraining mit der zwei Jahre jüngeren Schwester Djamila zu haben. „Sheherezade kann sich gut Sachen merken, aber trotzdem ist sie irgendwann in unserem gemeinsamen Kurs an ihre Grenzen gestoßen“, berichtet Djamila.

Das Problem kennt auch Michaela Eichmann, deren Tochter, die 19-jährige Michèle, Autistin ist. „Michèles erstes Wort war »DJ Bobo«. Wenn sie einmal ein Lied hört, kann sie es sofort nachsingen, aber worüber sie singt, versteht sie nicht“, erklärt Michaela Eichmann. „Für behinderte Menschen ein adäquates Freizeitangebot zu finden, ist nicht einfach.“ Und doch tanzt ihre Tochter nicht nur, sie singt auch im Bensberger Kirchenchor. Dort ist Michèle nicht nur das jüngste Mitglied, sondern auch die erste Sängerin mit einer Behinderung. Ihre Mutter hält trotzdem nichts von integrativer Beschulung: „Wie soll man denn in einer Klasse autistischen, körperlich behinderten und den ganz normalen Kindern gleichermaßen gerecht werden?“ Eichmann befürchtet, „dass die Inklusion eine Mogelpackung ist, mit der Geld gespart werden soll. Denn der Personalschlüssel in einer reinen Behindertenschule ist aus guten Gründen wesentlich höher als in einer Regelschule“.

Das sieht Antoinette Thielert anders. Ihre Tochter Jutta, heute 27 Jahre alt, hat das Down-Syndrom und wurde als Kind in der Grundschule Voiswinkel integrativ beschult. „Behinderte Menschen können viel durch Nachahmung lernen“, ist ihre Erfahrung. Ihre Tochter habe sich viel bei den Mitschülern und den nicht behinderten Geschwistern abgeschaut. Trotzdem brauche auch sie ihren geschützten Raum, eine Rückzugsmöglichkeit, die Jutta Thielert in der Musik findet. Wenn es ihr zu viel wird, setzt sie den i-Pod auf. Durch die Musik kann sie Umweltreize ausblenden. Dass ihr auch mal etwas zu viel wird, kann man kaum glauben, wenn man sieht, mit wie viel Spaß die junge Frau beim Tanzen die Anweisungen der Trainerinnen befolgt. Antoinette Thielert: „Inklusion kann ein tolles Projekt sein, bei dem beide Seiten profitieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.“

Quelle: www.ksta.de/3976620 ©2016

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Foto: Christopher Arlinghaus – Quelle: http://www.ksta.de/3976620 ©2016
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